Mittwoch, 23. September 2026

23. September 2026

 

Zum Blaulichttag am 19. September 2026 habe ich für die Westfalenpost einen Artikel zum Klimawandel in Menden verfasst. Der gesamte Text konnte aus Platzgründen nicht erscheinen. Hier ist er für meine vielen Leser einschließlich der erläuternden Diagramme:

 

 Klimaveränderung in Menden seit 1972

 Von Peter Friedrich

 

 Blaulicht bedeutet: Achtung, Vorrang, Aufmerksamkeit. Wir sehen Einsatzwagen der Polizei, den Krankenwagen, den Notarzt und hin und wieder auch die Feuerwehr und das THW. Wir wissen dann, dass etwas passiert ist, dass dringend Hilfe benötigt wird.

Sehr viel Blaulicht sehen wir in den Medien bei Katastrophen, vor allem Naturkatastrophen: großen Waldbränden, Überflutungen, Bergstürzen, Tornados, Orkanen. Und wir sind froh, wenn es uns nicht getroffen hat.

 Menden ist nicht anfällig für Naturkatastrophen. Wir wohnen im nicht sehr windstarken Mittelgebirge, haben den wenig brandanfälligen Laubwald und auch große Niederschlagsereignisse oder Schneechaos sind aufgrund günstiger Lage selten. Dennoch gibt es Katastrophen (Orkane Kyrill und Friederike, Hochwasser im Juni 2021). Dann können wir stolz auf die vielen Einsatzkräfte mit Blaulicht sein.

 Selten ist so viel von den Klimaveränderungen gesprochen und geschrieben worden wie in diesem Sommer mit seinen Waldbränden und Hitzetagen. Diese Veränderungen sind auch in Menden deutlich spürbar. Betrachten wir den Zeitraum seit Beginn meiner Wetteraufzeichnungen 1972, fällt auf, dass gravierende Abweichungen erst in den letzten Jahren aufgetreten sind.

 Um die Diagramme übersichtlich zu halten, enthält jeder Balken den Mittelwert von fünf Jahren.

 

 

 

 

 Diagrammunterschrift Temperatur

 Seit den 80er Jahren wird von führenden Wissenschaftlern vor dem zu erwartenden Klimawandel mit weltweit deutlich steigenden Temperaturen gewarnt. Verantwortlich für den Anstieg machen sie zu großen Teilen die Kohlendioxid-Emissionen der Industrieländer.

Schon damals wurden die dramatischen Folgen sehr eindringlich beschrieben, vor allem der durch Gletscherschmelze und die temperaturbedingte Ausdehnung des Wassers zu erwartende kaum noch beherrschbare Anstieg des Meeresspiegels. Vor allem in den letzten Jahren werden die negativen gesundheitlichen Folgen von immer mehr Hitzetagen mit 40 ° und mehr in sehr vielen Ländern beklagt. 40 ° sind auch in Deutschland keine Ausreißer mehr.

 Das Mendener Diagramm lässt allerdings erahnen, warum es die "Klimaleugner" relativ leicht hatten, die herrschende wissenschaftliche Auffassung in Frage zu stellen: Bis zum Ende des letzten Jahrhunderts stieg die Temperatur nicht an. Und danach bis 2015 auch nur ein wenig. Selbst die Wissenschaft hatte zunächst ein Problem, das zu erklären. Inzwischen wissen wir, dass die Meere einen sehr großen Teil der Energie aufgenommen haben. Jetzt sind sie überhitzt und nehmen weniger Wärme auf. Und schon geht regelrecht die Post ab.

 Von 1972 bis 2020 lag die mittlere Jahrestemperatur in Menden bei etwa 9,7 °. Seit 2020 gab es dann ziemlich abrupt nur noch ein Jahr unter 11 °. Das Jahr 2022 steht mit 12,0 ° an der Spitze. Das Ziel, den Temperaturanstieg seit 1850 auf 1,5 ° zu begrenzen, haben wir in Menden bereits zwischen 1972 und 2025 gerissen: es sind 1,8 °. 

Menden war in den Jahren 2021-2025 etwa so warm wie vor rund 40 Jahren die wärmsten Regionen Deutschlands am Oberrhein (z.B. Freiburg)

Tage über 30 °, sogenannte Hitzetage, habe ich früher nicht gezählt. Es gab sie kaum. In diesem Jahr gab es den ersten Hitzetag schon am 26. Mai. Im Juni gab es neun Hitzetage, im Juli vier und im August fünf. Am wärmsten war es am 26. und 27. Juni mit jeweils 37,2 °. Wir freuen uns über jeden Baum in der Stadt. Und man fragt sich, wie man heute noch Parkplätze ohne Bäume anlegen kann. 

Bald ist Herbst, und es gibt wieder „wichtigere“ Probleme als darüber nachzudenken, wo überall Trinkbrunnen stehen sollten und vor allem, wie schützenswerte Menschen vor Hitze bewahrt werden können. Im Ahrtal sind 2021 bedauerlicherweise mehr als 120 Menschen bei der Überflutung zu Tode gekommen. Wir trauern noch heute um sie. In diesem Jahr hatten wir schon mindestens 16.000 Hitzetote allein in Deutschland. Zum Vergleich: es gab 2025  2.814 Verkehrstote. 

 

 

 

Diagrammunterschrift Sonnenscheindauer:

Es ist bemerkenswert, wie viel sonniger Menden in den vergangenen 25 Jahren geworden ist: Heute scheint die Sonne rund 30 % länger als zu Beginn dieses Jahrhunderts. Grundlage sind die Messungen der Wetterstation in Hemer, die seit 2002 Daten veröffentlicht. Der Trend zu längerer Sonnenscheindauer zeigt sich deutschlandweit. So erfreulich das für uns und für die solare Stromerzeugung ist, so deutlich sind auch die Folgen: Intensivere Sonneneinstrahlung erhöht die Temperatur, senkt die Luftfeuchtigkeit, verstärkt die Verdunstung und erhöht das Hautkrebsrisiko.

Als Ursachen gelten vor allem zwei Effekte. Erstens haben die Luftreinhaltemaßnahmen seit den 1980er-Jahren die Verdunkelung der Atmosphäre durch ungefilterte Industrieabgase nachhaltig verringert. Die Luft ist deutlich klarer geworden – ganz im Sinne von Willy Brandts berühmtem Satz aus dem Jahr 1961: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden.“ Bis daraus spürbare Veränderungen wurden, dauerte es allerdings noch. Zweitens trägt die Klimaerwärmung mit veränderten Zirkulationsmustern zu häufigeren Hochdruckwetterlagen bei. Höhere Temperaturen trocknen Luftschichten stärker aus; dadurch bilden sich weniger Wolken.

 

 

Diagrammunterschrift Niederschlag

In den letzten 50 Jahren war die Niederschlagstätigkeit erstaunlich stabil. In den Jahren 2011 bis 2025 hat es im Mittel etwa genauso viel geregnet wie in den Jahren 1972 bis 1980. Von 1981 bis 2010 war es ausgesprochen regenreich. 

Heute reden wir nicht mehr von Regenreichtum, sondern von Dürre im nördlichen Sauerland. Das ist richtig, wenn wir nur die Zeit seit Anfang 2025 betrachten. Seitdem fehlen 465 mm Regen, also ein halber Jahresniederschlag. Das sehen wir als besonders dramatisch, weil vor allem Sommertrockenheit in Mitteleuropa den Szenarien aller Klimaprognosen entspricht und wir befürchten müssen, dass sich das nicht mehr ändert.

Betrachten wir die Jahre seit 2020, erscheint der Eintritt der Prognosen doch allzu plötzlich, um unverändert in die Zukunft fortgeschrieben zu werden. Von 2020 bis 2025 war ein Jahr viel zu trocken, zwei Jahre waren zu trocken, ein Jahr etwas zu trocken, ein Jahr zu nass und ein Jahr deutlich zu nass.


Ausblick:

Die Auswirkungen der weltweiten Klimaveränderungen auch auf unser Wetter in Menden sind nicht wegzudiskutieren. Sie werden sich weiter verstärken. Die Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre steigt unaufhaltsam. Sie betrug 1850 etwa 280 ppm, zu Beginn der ersten Messreihe auf Hawaii 1958 waren es 315 ppm, im Juli 2026 dann 429 ppm. Sie steigt derzeit um etwa 2-3 ppm jährlich. Das bedeutet eine Zunahme des Treibhauseffektes, gefolgt von weiterer Erwärmung der Atmosphäre mit den von der Weltklimakonferenz ausführlich dargestellten negativen Folgen. Nur in wenigen Regionen auf der Welt ist der Temperaturanstieg so gravierend wie in Mitteleuropa.

Jeder persönlich kann das Seine tun, so wenig fossile Energie zu nutzen wie möglich. Was jetzt aber vor allem zu tun ist: auf die konkreten Auswirkungen zu reagieren. Persönlich, um sich vor Überflutungsschäden und Hitze in den Häusern zu wappnen. Für die Stadtgesellschaft, alles zu tun, damit man sich in der Stadt auch bei Hitze aufhalten kann und um Hochwasser aus den Siedlungsgebieten herauszuhalten.


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Menden heute:

Der Herbstanfang hatte heute einen sommerlichen Anstrich. Nicht von der Temperatur, aber von der Sonnenscheindauer. Trotz schon deutlich reduzierter Tageslänge konnten wir den zweitsonnigsten Tag des Monats registrieren. Die Sonne schien ununterbrochen von morgens bis abends. Das kleine Hoch über Süddeutschland hat die Luft sehr stark ausgetrocknet. Das zeigt sich besonders an den niedrigen Frühtemperaturen. In Neheim ging es an der Ruhr auf 3,5 ° hinab. Die Temperatur stieg dann am Tag um fast 17 ° an.

Tageshöchsttemperatur: 20,5 °

Tagestiefsttemperatur: 7,4 °  (Biebertal: 4,0 °)

Tagesmitteltemperatur:

Sonnenscheindauer: 11:01 Stunden

Regen: 0 mm


Entwicklung:

Donnerstag: Vom Baltikum bis zur Ostsee herrschen Tiefdruckgebiete. Westlich davon bestimmt hoher Luftdruck das Wetter. Nachts zieht eine Kaltfront von Nordwest nach Südost über Deutschland hinweg. Ihr Regenband bleibt nördlich von uns. Die starke Bewölkung aus der Nacht lockert am Vormittag auf. Es ist dann bis auf die bei eingeflossener Kaltluft typische Mittagsbewölkung heiter bis wolkig und trocken. Nachts 11 °, nachmittags nur 18 °. Meist schwacher Nordwestwind. 

Freitag liegt der Schwerpunkt des Hochs südöstlich von uns. So dreht die Strömung  mehr auf Südost bis Süd und es wird langsam wärmer. Den ganzen Tag scheint wieder die Sonne. Nachts sehr kühle 6 °, nachmittags 21 °. Schwacher Wind aus südlichen Richtungen.

Samstag geraten wir kurzfristig in eine von Skandinavien bis Südfrankreich reichende Tiefdruckrinne. Die Wolken sind vor allem um die Mittagszeit gelegentlich dichter. Meist scheint aber die Sonne. Nachts 10 °, nachmittags fast sommerliche 23 °. Schwacher Wind.

Sonntag fließt auf der Westseite des Hochs weiterhin warme Luft aus dem Mittelmeerraum zu uns. Es ist heiter oder locker bewölkt und trocken. Nachts 11 °, nachmittags 23 °. Schwacher meist südlicher Wind. 


Glaskugelbereich:

Montag kommen uns atlantische Tiefausläufer von Nordwesten näher. Es ist wolkiger als an den Vortagen. Einige Modelle sehen sogar ein paar Regentropfen. Insgesamt bleibt es aber bei einem freundlichen und von der Temperatur her sommerlichen Tag. Nachts 14 °, nachmittags 23 °. Dienstag drängt eine östliche Strömung die Wolken großenteils aus Deutschland heraus. Es ist heiter bis wolkig und sommerlich warm. Nachts 16 °, nachmittags 27 °. Nochmal abends grillen?

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